Pulsar XQ30V Lite Wärmebildkamera - kleiner Preis, kleine Leistung? (2024)

Nachlangem Warten ist sie nun endlich gekommen: Meine Pulsar XQ30V Lite Wärmebildkamera.Ich hatte mir im Dezember letzten Jahres eine XQ38 bestellt und diese im Januarbekommen. Ein tolles Gerät! Gerade beim Sauenansitz aber auch beim ganznormalen Dämmerungsansitz erschließt eine eine Wärmebildkamera eine ganz neueDimension. Man sieht das Wildsehr früh und sieht auch sonst Dinge, die man sonst nie entdecken würde. Und seien es die Mäuse, die durchs Gras oder den Waldboden wuseln oder das Eichhörnchen, das durch den Baum turnt.Auch auf großen Wiesen spielt so ein Gerät seine Stärken aus. OhneProbleme wird auch Wild angezeigt, dass weiter weg, teilweise komplett imDunkeln oderverdeckt steht.Gerade gestern stand ichbei vollem Tageslicht vor einer großen Wiese mit hohem Gras. Zunächst mal nixzu sehen. Wärmebild an und – Überraschung – drei Rehe darin ausgemacht. Ob man es dann ansprechenkann ist natürlich eine andere Sache (von Erlegen mal ganz zu schweigen) und hängt u.a. sehr vom gewählten Gerät und der Distanzab. Hierzu gibt es ellenlange Diskussionen in einschlägigen Jagdforen, die ichhier nicht zusammenfassen kann (und will :-)).

Wie es manchmal sospielt, hat Pulsar ein paar Wochen nachdem ich die XQ38 Wärmebildkamera bekommen hatte den Markt auf den Kopf gestellt indem sie auf der IWA ihre neue, erweiterte Produktpalette vorgestellt hat. Es gibt im Grunde nun drei Serien

  • Die "alte" Quantum Serie mit der XQ19, XQ38 und XQ50, alle auf Basis eines Sensorsmit 384x288 PixelnAuflösung
  • Die neue Helion Serie die sowohl mit dem 384x288 Pixel Sensor (XQ19F, XQ38F und XQ50F)aber nun auch mit einem neuen 640x480 PixelSensor (XP28, XP38 und XP50) gibt
  • Die "neue" Lite Serie mit der Pulsar XQ23V sowie XQ30V, nur aufBasis des 384x288 Pixel Sensors

Es würde hier zuweit führen, die Vor- und Nachteile der verschiedenen Serien zu beschreiben,daher verweise ich an der Stelle mal auf die

Herstellerseite

. Die Pulsar Helions haben alle möglichen neuen Features wie neuesBatteriekonzept, Wifi etc.. Das lass ich mal hier ganz außen vor, weil das fürmich kein Kriterium war, mir geht’s primär um das Seherlebnis. Für Einsteiger in das Thema nur eins: DieZahlen in den Produktbezeichnungen beziehen sich auf die Brennweite desObjektivs und determinieren imGrunde zwei Parameter:das Sehfeld (kleinere Brennweite = größeres Sehfeld) und die Vergrößerung (große Brennweite = Detektion auf größere Distanz möglich).

Warum hab ich die XQ38 wieder verkauft? Die knapp 3000 EUR für das Gerät haben richtigweh getan und mir war klar, dassmit der Vorstellung der neuen Produktpalette sich die Preislisten ändernwürden - und dem war auch so. Pulsar hat den Wärmebildkamera-Markt ganz schönunter Druck gesetzt, indem sie die XP Modelle mit der hohen Auflösung von640x480 Pixeln in etwa in dem Preisniveau anbietet, wie vorher die XQ Modelleverkauft wurden.

Was nun wirkllich überraschend war - zumindestfür mich - ist die Lite Serie. Das sind augenscheinlich (genau wird's nur einPulsar Ingenieur beantworten können) die alten XQ Modelle mit eineranderen Linse vornedran und offenbareiner etwas anderen Software (darauf deutet zumindest die verlängerte Zeit zum„Hochfahren“ von 8 Sekunden im Vergleich zu 2 Sekunden bei der XQ38 hin). Die Lites gibt’s mit einer 23-igerund einer 30-iger Linse. Allerdings ist der Preis sehr attraktiv und liegt mitetwa 1500 EUR (in der Regel findet man sie preiswerter) in einem Bereich, derein neues Kundensegment anspricht, denen vorher Geräte für um die 3000 EUReinfach zu teuer waren (wissend, dass die Technik voranschreitet und alles was heute die Krone der Technik ist in zwei Jahren zum alten Eisen gehört).

Aber jetzt zur XQ30V Lite von Pulsar.

Pulsar XQ30V Lite Wärmebildkamera - kleiner Preis, kleine Leistung? (1)

(Quelle: Pulsar Homepage - http://www.pulsar-nv.com)

Erster Eindruck

Das „unboxing“ zeigte nebenallerlei Kabeln und den zwei Batteriecontainern erstmal optisch eine typische Quantum. Ich hab lange geschaut undgefummelt aber ich denke es ist einfach das gleiche Gehäuse wie von der altenXQ-Serie. Die Gerüchte aus einigen Jagdforen, da seien billigere Materialienverwendet worden kann ich nicht bestätigen. Wie schonoben erwähnt, die Anschaltzeit beträgt 8 Sekunden (und nicht, wie oft zu lesen2 Sekunden). Das deutet zumindest auf eine andere Software als die der XQ38hin. Auch das Menü zum Einstellen von allen möglichen Parametern(Darstellungsmodus, Kontrast, Helligkeit etc) ist vertraut.

Unterschied zur Pulsar XQ38 ist derVerschlussdeckel des Objektivs. Während man bei der Lite durch Drehen denVerschlussdeckel schließt geht das bei der XQ38 durch einen Klappmechanismus. Ich habe mir gleich den Halstragegurt und das Doppel-DNV Batteriepack dazubestellt und muss sagen, beides ist eine gute Investition. Der Tragegurt istsinnvoll, weil man dann auf dem Hochsitz nicht aufpassen muss, dass man dasGerät irgendwo runterwirft und die DNVs hatte ich schon in der XQ38. Daserspart einem viel Gefummel mit den Batterien und dem Batteriecontainer. Raus,laden, rein, fertig.

Das Seherlebnis

Nachdem ich die Akkus Wärmebildkamera geladen hatte,hab ich das Gerät angeschaltet und den gleichen Fehler gemacht wie beimersten Mal mit der Pulsar XQ38: ich habe versucht aus dem Fenster zu schauen - alles trübe! Das liegt einfachdaran, dass man mit Wärmebildkameras nicht durch Glas schauen kann. AlsoFenster aufgemacht und voila man sieht was! Das Bild an sich ist so wie ich esvon der XQ38 gewohnt war. Aber natürlich ist klar, dass mit der 30iger Linsesich das Sehfeld und die Vergrößerung ändert. Während das zuhause nicht soauffällt, so ist es im Revier augenscheinlicher. Auch wenn man meint die2,5-fache Vergrößerung versus 3,1 bei der XQ38 fällt nicht ins Gewicht, so istes doch so, dass die Reichweite der Pulsar XQ30V etwas geringer ist.

Ich konnte auf 200-300 Meter Rehe mit der Wärmebildkamera ausmachen und gerade noch so als solche erkennen (Träger hoch, Träger runter).Aber es ist klar, dass man auf solche Entfernungen nicht mehr ansprechen kann. ReineDetektion, also „sehen, dass da was ist“, geht noch wesentlich weiter. Nacheiner Weile hat man auch raus anhand der Bewegungsmuster zu erkennen um welchesWild es sich handelt. Bei Sauen bewegt sich kein Träger, der Fuchs schürt inder Regel in seiner spezifischen Weise, bei Rehwild geht der Träger rauf undrunter etc.

Vergleich mit dem Pulsar XQ38 und XQ30 V

Neben dem Pulsar XQ38und der XQ30V konnteich auch mal durch eine XP38 schauen – zur Erinnerung, dass ist die Serie mitder 640x480 Auflösung. Da merkt man natürlich einen deutlichen Unterschied! DasBild ist feiner aufgelöst, insbesondere im Nahbereich. Das ist schon eineandere Nummer!

Fazit

Für mich hat die die XQ30V Wärmebildkamera von Pulsar ein optimalesPreis-Leistungsverhältnis, welches einige Nachteile (geringere Reichweite, längereAnschaltzeit etc.) locker kompensiert. Der klassische Pionierkäufer (der in derRegel auch bereit ist entsprechend Geld investiert) wird von der neuen HelionXP mit der hohen Auflösung begeistert sein. Der Abstand der Lite Serie zu den Helionsmit 384iger Auflösung ist rein vom Bild her für mich nicht so hoch um denAufpreis zu rechtfertigen. Das muss aber jeder selbst beurteilen, auch unterBerücksichtigung der Features der Helion Serie die ich hier gar nichtbetrachtet habe (Video, Wifi etc.).

Und die Technik entwickelt sich weiter. Wahrscheinlichsteht nächstes Jahr die Masseneinführung einer neue Sensorgeneration mit12 statt 17 Mikrometer Pitch (= feinere Auflösung des Bildes bei gleicherPixelzahl) vor der Tür und aktuelle Wärmebildkameras von heute gehören dann schon wiederzur alten Generation. Aber so ist das halt mit Technik. Der Laptop, den ichheute kaufe ist nächstes Jahr auch schon wieder alt. Aber wenn er tut was ertuen soll, kann man auch mal ein paar Technik-Generationen aussetzen. Das hoffeich zumindest :-)

Pulsar XQ30V Lite Wärmebildkamera - kleiner Preis, kleine Leistung? (2024)
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